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Twitter ist «Trump(f)»

Was immer man vom neuen US-Präsidenten Donald Trump hält: Von seiner Art, über Twitter zu kommunizieren, kann man lernen.

von Stefan Haeseli.*

* Stefan Häseli regt als internationaler Speaker dazu an, wirkungsvolle Kommuni­kation im Alltag mit Spass zu erleben. Dazu ist er Autor von zahlreichen Büchern und bekannt als Ratgeber in Radio- und TV-Sendungen. www.stefanhaeseli.ch

Was vor ein paar Wochen noch unmöglich schien, wurde wahr. Donald Trump zog im Weissen Haus ein. Als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat er die Regierungstätigkeit der nach wie vor wichtigsten Wirtschaftsnation übernommen. «Eines steht jetzt schon fest», so Stefan Häseli, «Trotz aller Vorbehalte gegenüber seiner Person, kann man wohl in einem Punkt von ihm lernen.» Der Schweizer Speaker zum Thema Kommunikation analysiert, inwieweit Politik in 140 Zeichen wirksam sein kann.
Eines vorab, so Stefan Häseli: «Ob dieser Akt für die Welt gut ist oder wie schlecht es werden wird, wenn der impulsive neue Präsident die nächsten vier Jahre nicht nur die Geschicke der USA, sondern damit verknüpft auch zu einem guten Teil die der Welt prägt, sei den politischen Beobachtern überlassen. Berechtigt sind zweifellos die Befürchtungen, dass Donald Trump mit seinen oft unverblümten Äusserungen weiterhin viele erschrecken wird. Schon jetzt staunt die Weltöffentlichkeit über das, was er sich verbal erlaubt.»

Dabei sei es durchaus spannend zu verfolgen, wie Donald Trump kommuniziere: «Man muss hier zweierlei trennen. Auf der einen Seite ignoriert er sehr oft sämtliche Regeln einer konstruktiven Kommunikation und eines wertschätzenden Feedbacks. Das ist ohne Frage etwas, das mir missfällt. Das andere ist, dass er, wie kaum ein anderer versucht, mit 140 Zeichen aus dem ‹Twitter-Fenster› heraus die Welt zu regieren. Und darüber sollten wir nachdenken.»

Die Sache auf den Punkt bringen

Unter diesem Aspekt, so der Kommunikationsexperte, sei es einen Versuch wert, das Bedrohliche vom Nützlichen zu trennen: «Wird die Angst vor dem Inhalt provokativer Statements einmal zurückgestellt, lässt sich rein kommunikationstechnisch daraus eine Menge lernen. Denn es geht darum, eine Sache auf den Punkt zu bringen. Damit wird die Diskussion angestossen. 140 Zeichen reichen, um – ob positiv oder negativ – in die ‹News› zu kommen. Oder etwas weniger spektakulär ganz einfach ins Gespräch. Wichtige Aussagen in 140 Zeichen zu packen, sei sicher nicht immer richtig – ganz besonders dann nicht, wenn es um globale Interessen geht. Aber die Kunst es zu können, sei wichtig!

«Noch wird diese Fähigkeit in der modernen Gesellschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit nicht wirklich und überall gut genutzt»

sagt Stefan Häseli, der sich bereits seit vielen Jahren mit Alltagskommunikation beschäftigt. «Es zeugt keineswegs von Oberflächlichkeit, Informationen auf 140 Zeichen zu beschränken. Vielmehr muss so eine Kernaussage treffend formuliert werden. Anders sieht es natürlich bei komplexen Zusammenhängen aus. Wer das Sowohl-als-auch beherrscht, ist ein ‹Commander in Tweets›.»

Eine Qualität, die man lernen kann

Zu unterscheiden und abzugrenzen bleibe dabei, dass viel Schrott getwittert werde. Stefan Häseli: «Zu wenig wohlüberlegt erscheinen auch viele Posts von Donald Trump. Doch wer hat nicht selbst schon einmal eine Nachricht verschickt, ohne zu überlegen, was sie auslösen kann. Aber es ist eben ein Unterschied, ob eine unklare E-Mail an einen guten Bekannten geht, oder ob der mächtigste Mann der Welt einen Amtskollegen mit Atomwaffen im Schrank beleidigt.» Auch wenn vieles nicht so heiss gegessen wird wie es gekocht wird, wie Stefan Häseli aus seinen Kontakten zu Politikern weiss: «Da wird manches für die Galerie gemacht. Wenn Donald Trump beispielsweise eine Twitter-Nachricht über Wladimir Putin postet, kann es sein, dass das persönliche Gespräch zwischen den Zweien längst stattgefunden hat und man voneinander sehr genau weiss, was man wirklich denkt.» Womit sich der Kreis schliesst, so der Experte: «Eine Botschaft in einer 140-Zeichen-Meldung zu verfassen, ist eine Qualität, die man lernen kann und die immer wichtiger wird. Das Gespräch dazu ist aber nach wie vor und bis auf Weiteres durch nichts zu ersetzen. Klar ist, dass auch Donald Trump am Ende des Tages an Handlungen gemessen wird und nicht aufgrund seiner Posts.»