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Anspruchsvolle Transporte von losen Lebensmitteln

Beim Transport von losen Lebensmitteln sind in Sachen Hygiene höchste Qualitätsanforderungen gefragt. Die Reinigung und Kontrolle der Fahrzeuge verlangt viel Know-how.

von Martin Lörtscher*

Tank- und Siloreinigungsanlage mit Hochdruck-Sprühknöpfen an der Decke. (Bilder: zvg)

Immer öfter werden Lebensmittel «lose/offen» transportiert. Diese Art von Transport verlangt nebst speziellen Fahrzeugen von allen involvierten Parteien ein hohes Fachverständnis und eine sehr disziplinierte Arbeitsweise. So werden zum Beispiel trinkfertige Produkte direkt aus einem Tankfahrzeug, ohne weitere Arbeitsschritte, in eine Flasche abgefüllt. Dies verlangt in

Sache Hygiene höchste Qualitätsanforderungen.

Die Lebensmittelproduktion hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr stark gewandelt. Waren früher Fässer oder Säcke die gebräuchlichsten Gebindearten, betreiben moderne Lebensmittel-Produktionsbetriebe heute eigene Tank- oder Silolager und beziehen dadurch ihre Rohstoffe in loser Form. Dies erleichtert das Materialhandling und reduziert den innerbetrieblichen Aufwand. Ein weiterer Vorteil ist, dass keine leeren Gebinde anfallen, die zwischengelagert, gereinigt oder entsorgt werden müssen. Die Produkte werden einfach, sauber und bequem mit speziell dafür gefertigten Tank- oder Silofahrzeug angeliefert.
Heute werden sämtliche Lebensmittel, welche im flüssigen Aggregatszustand befördert werden können mit speziellen, isolierten kühl- und/oder beheizbaren Tankfahrzeugen gefahren. Solche Transportgüter können Schokolade, Eier, Speiseöle und Fette, Frucht- und Obstsäfte, Konzentrate, Bier, Milch sein. Schüttgüter oder rieselfähige Produkte wie Mehl, Zucker, Salz, Stärke oder Milchpulver werden in geeigneten Silofahrzeugen transportiert.

Um die Produktesicherheit jederzeit gewährleisten zu können, achten Lebensmittelproduzenten auf hohe hygienische Bedingungen, entsprechend werden die gleichen Anforderungen auch an den Logistikpartner gestellt. Der Transport darf in der Wertschöpfungskette kein Unsicherheitsfaktor oder eine Hygieneschwachstelle bilden.
Der Transport von Lebensmitteln kann zu einem Hygienerisiko werden, wenn Logistikunternehmen die Reinigung ihrer Tank- oder Silofahrzeuge unterschätzen oder falsch handhaben. Die Reinigung und Kontrolle dieser Fahrzeuge verlangt sehr viel Know-how.

Welche Anforderungen gelten an Transportmittel?

Die Lebensmitteltransportbehälter Verordnung der EU beschreibt in ihren Bedingungen die hygienischen Anforderungen an Tankfahrzeugen und anderen tankähnlichen Transporteinrichtungen. Ebenfalls berücksichtigt die Norm die Be- und Entladeeinrichtungen, in denen unverpackte flüssige, granulat- und pulverförmige Lebensmittel befördert werden dürfen. Für die Beförderung dieser Produkte dürfen nur Transportbehälter verwendet werden, die begehbar sind oder durch eine Öffnung eine Besichtigung des Innenraums zulassen, leicht zu reinigen und zu desinfizieren sind, und das Transportgut sowie die Reinigungs- und Desinfektionsmittel leicht auslaufen lassen. Ebenfalls müssen die Fahrzeuge deutlich sichtbar mit der Beschriftung «nur für Lebensmittel» gekennzeichnet sein. Lebensmittel Tank-, oder Silofahrzeuge dürfen ausschliesslich für die Beförderung von Lebensmitteln eingesetzt werden.

Reinigung von Tank- und Silofahrzeugen

Eine moderne Reinigungsanlage für Tank- und Silofahrzeuge ist technisch sehr aufwendig und verlangt ein hohes Mass an Qualität, Sicherheit und Umweltmanagement. Die einheitliche Europäische Reinigungsbestätigung (ECD) wurde von der EFCTO (European Federation of Tank Cleaning Organisations) entwickelt. Dies um den steigenden Anforderungen an die Reinigungsanlagen und Transportunternehmen durch die Lebensmittel- Industrie gerecht zu werden. Nach der EFTCO Definition als ‹gereinigt› gilt: «… wenn keine sichtbaren Spuren oder der Geruch des letzten Produktes oder Reinigungsmittels durch die Inspektion vom Domdeckel aus festgestellt werden kann.» Darüber hinaus müssen vom gereinigten Fahrzeug aber auch Abstriche, Wasseranalyse und bakteorologische Untersuchungen gemacht werden.

Der grössten Risikofaktoren

Nicht ausreichend gereinigte Transportbehälter könnten mit Keimen, Pilzen oder Allergenen verunreinigt sein. Dies kann bei Lebensmitteltransporten zu einer unmittelbaren Schädigung der Gesundheit der Verbraucher führen. Ganz konkret ist daher auch die Implementierung des HACCP-Standards (Hazard Analysis and Critical Control Points) für Reinigungsanlagen erforderlich. HACCP ist – vereinfacht ausgedrückt – ein Instrument für die standardisierte Risikoanalyse, Selbstkontrolle, Fehlerkorrektur und Dokumentation. Zunächst werden alle denkbaren Risiken anhand der Produktebeschreibung, des Reinigungsprozesses und der betrieblichen Gegebenheiten analysiert. Die Einführung und konsequente Anwendung und Umsetzung des HACCP-Konzeptes durch Tankreinigungsunternehmen als Anforderung der euro­päischen Hygienerichtlinien verbessert also den Schutz der Verbraucher vor dem Genuss von verdorbenen und/oder kontaminierten Lebensmitteln.

«Just in Time» als Herausforderung

Eine weitere Herausforderung für das Transportgewerbe ist die Entwicklung zu immer kürzeren Bestellzyklen und zur reduzierten Lagerhaltung. Der LKW dient als rollendes Lager «Just in Time» ist in der Logistik das Wort der Stunde. Die Staustunden auf den Strassen nehmen seit Jahren zu. Es ist zu befürchten, dass es nächstens zum totalen Verkehrskollaps kommt.
Die dadurch verursachten Standzeiten führen beim Transportgewerbe zu massiven Produktivitätsverlusten. Zudem wird es immer schwieriger, die gewünschte Anlieferzeit bei den Kunden einzuhalten. Produktionsausfälle stellen daher ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Auf der anderen Seite können Produktionsausfälle beim Kunden dazu führen, dass die Lagertanks nicht rechtzeitig entleert werden können, was dazu führt, dass die Folgelieferung aus Platzgründen beim Kunden nicht entladen werden kann. Dies wiederum führt zu Standzeiten der LKWs, welche den Kunden belastet werden müssen.

Der Chauffeur, zentraler Erfolgsfaktor

Während des gesamten Transportprozesses ist der Chauffeur für die ihm übertragene Ware verantwortlich. Als unverzichtbarer Teil der Lieferkette trägt der Chauffeur somit wesentlich zum Erfolg des Auftrages bei. Die Rahmenbedingungen sind zunehmend zeitkritischer und transparenter geworden. Dispositionssysteme planen die Abläufe und Touren theoretisch minutengenau. Die Fahrzeuge werden vià GPS permanent überwacht. Oft werden Problemlösungen auf das letzte Kettenglied in der Transportabwicklung gelegt, den Chauffeur. Entsprechend müssen Chauffeure, die Lebensmittel transportieren, nebst der für Berufsfahrer obligatorischen Weiterbildung, spezifisch in Lebensmittelsicherheit geschult werden.
Bei der Wahl eines Logistikpartners sollte daher genau geprüft werden, dass dieser die genannten Risiken nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis im Griff hat.

*Martin Lörtscher ist CEO der Hugelshofer Gruppe.