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Nestlé warnt vor Fair-Food-Initiative

Nestlé sieht bei einer Annahme der Fair-Food-Initiative den Produktionsstandort Schweiz in Gefahr. Auch der Detailhandel ist alarmiert.

von pd/mos

Fair-Food würde die Industrie empfindlich treffen, fürchtet Nestlé. (Bild zvg)

Nestlé, der weltweit grösste Nahrungsmittelkonzern mit Sitz in Vevey (VD),  warnt vor «sehr einschneidenden Konsequenzen» bei einer Umsetzung der Fair-Food-Initiative. Werde das Volksbegehren angenommen, gerate der Schweizer Produktionsstandort in Gefahr: «Beschaffung und Produktion in der Schweiz würden bedeutend erschwert oder gar verunmöglicht», sagt Marianna Fellmann, Sprecherin von Nestlé Schweiz auf Anfrage der «Handelszeitung», «ganz zu schweigen von der Verteuerung der einheimischen und importierten landwirtschaftlichen Rohstoffen.» Davon betroffen wäre laut Fellmann nicht zuletzt die Schokoladenherstellung in der Schweiz.

Detailhandel fürchtet höhere Preise und sinkende Auswahl

Auch die Grossverteiler Coop und Migros sind besorgt. Sie rechnen bei einer Annahme der Initiative mit höheren Preisen und einer Einschränkung der Angebotsvielfalt. So müssten Konsumenten wohl auf einige der beliebtesten ausländischen Mozzarella-Sorten verzichten. «Kein grosses Unternehmen im Ausland wird wegen neuer unilateraler Schweizer Vorgaben seine Produktionsmethoden ändern», betont Patrick Marty von IG Detailhandel, die unter anderem die Interessen der Grossverteiler vertritt, gegenüber der «Handelszeitung».

Auch die beiden Detailhandelsverbände Swiss Retail Federation und Veledes warnen in einer gemeinsamen Mitteilung vor den beiden Agrarinitiativen, über die am 23. September abgestimmt wird. Eine Annahme würde Produkte verteuern, gewisse Produkte würden ganz verschwinden, schreiben die Verbände. Das würde zu einer Zunahme des Einkaufstourismus führen und den Schweizer Detailhandel «empfindlich treffen». Es drohe der Verlust von Arbeitsplätzen im Detailhandel. Swiss Retail Federation ist der Verband der mittelständischen Detailhandelsunternehmen in der Schweiz. Mitglieder von Veledes sind freie Detaillisten, Tankstellenshops, Kioske und Franchising-Unternehmen im Lebensmitteldetailhandel.

Mit ihrer Fair-Food-Initiative wollen die Grünen ein grösseres Angebot an gesunden, tierfreundlich, umweltschonend und fair produzierten Lebensmitteln erreichen. Auch für Importprodukte soll der Bund ökologische und soziale Standards festlegen.