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Bierpreis: Hoffen auf sinkende Kurse

Steigen die Kurse an der Börse, steigt auch der Bierpreis. Diesen zahlt der Kunde erst noch in Kryptowährung. Die etwas quere Expansionsstrategie eines schottischen Bierbrauers.

von Hans Peter Schneider

Die Schotten sind geizig, sagt der Volksmund. Sind sie das? Nein, sie sind einfach markttüchtig, wie das Beispiel des schottischen Bierbrauers Brew Dog zeigt. Dieser eröffnet Pub um Pub und wurde mit sei­nen Craft-Bieren innerhalb von wenigen Jahren weltweit bekannt. Und jetzt haben sich die Schotten zum Ziel gesetzt, London zur Craft-Bier-Welthauptstadt zu machen. Letzten Freitag eröffnete Brew Dog an der Canary Wharf, dem Viertel, das seit einigen Jahren in Konkurrenz zum etab­lierten Londoner Finanzdistrict in der City steht, ein weiteres, das zehnte Pub. Die Eröffnung eines Pubs in einem hippen Trendviertel ist an und für sich eine all­täg­liche Sache. Nur, die Craft Brauer vermarkten ihr dort ausgeschenktes Bier unter einer ganz findigen Idee. Das Draft-Bier
mit Namen «HopExchange» wird nämlich mit exakt denjenigen Preisfluktuationen verkauft, die auch der wichtigste britische Aktienindex, der FTSE (Financial Times Stock Exchange), erfährt. Über dem im Börsen-Stil rund gehaltenen Biertresen zeigen digitale Leuchtdioden im Sekundentakt an, ob Bier nun teurer oder günstiger zu haben ist.

Damit hoffen wohl nicht nur Börsianer auf steigende Kurse, sondern auch Gesundheitsapostel. Damit im Interesse der britischen Volksgesundheit nicht der wichtigste britische Leitindex zu stark sinkt, das Bier zu billig wird und die Briten im Übermass Bier konsumieren.

Fakt ist, der schottische Bierbrauer betreibt Marketing anders als der Rest der Welt, wie auch der jüngste Coup beweist, in welchem das Unternehmen in kürzester Zeit gerade mal 26 Millionen Pfund in einem Crowdfunding-Projekt mit dem unkonventionellem Namen «Equity for Punks» sammelte – und Brew Dog setzt voll auf die digitale Welt, wie das Beispiel des neuesten Pubs in London zeigt. Dort wird ausser Bier nichts fliessen, auch kein Bargeld. Denn bezahlt wird die Zeche in der Kryptowährung Bitcoins.