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Getränkebranche will nichts wissen von Nutri-Score

Am Kongress der Schweizer Getränkebranche stellt sich eine breite Allianz der Akteure gegen Nutri-Score.

von Hans Peter Schneider

Daniela Bucher.
Matthias Schneider.
Josiane Enggasser
Erich Burkhardt.
Urs Frei.
Michael Suter.
Erland Brügger.
Sepp Bucher.
Ernst Möhl.
Patrick Marti.

« Wir brauchen kein Negativ-Signet für unser Bier»

Das Bier hat in der Regel mit Alkohol zu tun und ist somit per se ungesund. Deshalb bin ich natürlich dagegen, dass unsere Produkte mit einem negativen Zeichen gekennzeichnet werden.

Daniela Bucher, Brauerei Uster Braukultur AG

«Für Coca-Cola keine Option»

Auch wir haben ein Ampel-System. Dieses ist eine Weiterentwicklung, des GDA (Guideline Daily Amount), das vor rund zehn Jahren in der Schweiz eingeführt wurde. In der aktuellen Anwendung wurde dieses System zusätzlich mit Farbe hinterlegt. Das neue, sogenannte «Color Coded Nutrient Labelling»-System wurde schon in England und anderen europäischen Ländern erfolgreich eingeführt. In der Schweiz wird es nun auf den Etiketten unserer Erfrischungsgetränke Coca-Cola, Fanta und Sprite bis Ende 2020 appliziert und getestet. Wenn die Konsumenten damit einen Mehrwert sehen, werden wir es danach definitiv einführen. Nutri-Score ist für uns keine Option.

Matthias Schneider, Coca-Cola

«Nutri-Score ist nicht logisch»

Bei Apfelsaft sind wir im orangen Bereich, also in der C-Stufe. Apfelsaft ist jedoch ein natürliches Produkt – wenn man den Fruchtzucker herausnehmen würde, wäre es kein natürliches Produkt mehr – folglich kein Apfelsaft mehr. Hat man aber verdünnten Apfelsaft, also Schorle, dann fällt dieses Getränk, obwohl es weniger Kalorien hat, schon in den roten Bereich. Dieses System ist absolut nicht logisch.

Josiane Enggasser, Schweizer Obstverband

«Nichts für emotionale Produkte»

Wenn an Spirituosen eine rote Ampel prangt, kauft kein Konsument mehr eine Flasche. Unsere Produkte werden gekauft, weil sie mit Emotionen verbunden sind und nicht, weil sie für die Gesundheit relevant sind. Ich denke, dass die Schweiz Nutri-Score nicht braucht und dass Schweizer Konsumenten verantwortungsbewusst einkaufen.

Erich Burkhardt, Lateltin AG

«Zuerst Kalorien-Kennzeichnung»

Momentan stehen wir in der Diskussion über die Nährwertangaben beim Bier. Die EU-Kommission drängt auf die Ausweisung der Kalorien. Diese Diskussion ist bei unserer Branche schon verzögert eingetreten, wir haben uns aber nun verpflichtet, das zu machen. Die Ampel wurde bei uns noch nicht wirklich diskutiert.

Urs Frei, Heineken

«Nutri-Score bietet Orientierung»

Wir sind ein welt­weiter Hersteller, Vermarkter und Anbieter von technologie-basierter natürlicher Ingredients für die Lebensmittel- und die Getränkeindustrie. Eindeutige und nachvollziehbare Deklarationen auf Lebensmitteln und Getränken sind ein wesentlicher Faktor für die Kaufentscheidung der Konsumenten und Konsumentinnen. Wir bieten pflanzliche Ingredients, die Clean-Label-Lösungen für innovative Produktkonzepte ermöglichen und damit den Wunsch der Verbraucher nach mehr Transparenz erfüllen. Nutri-Score bietet dabei den Verbrauchern eine bessere Orientierung, um die enthaltenen Inhaltstoffe und den Nährstoffgehalt der Lebensmittel und Getränke leichter identifizieren zu können.

Michael Suter, Döhler Schweiz

«Ernährung kann nicht einfach mit einer Farbe abgebildet werden»

Wir haben mit Nutri-Score wieder einmal einen Versuch, die tägliche Ernährung auf eine einfache Art und Weise abbilden zu wollen. Das wird nicht gut kommen. Denn Ernährung ist zu kompliziert, um mit einer Farbe sagen zu können, das eine ist gut für dich – das andere nicht. Ich glaube, der Konsument kommt nicht darum herum, sich grundsätzlich über die Ernährung zu informieren.

Erland Brügger, Rivella

«Unerklärliche Berechnungen»

Für mich ist es unerklärlich, dass mit Nutri-Score zum Beispiel eine Apfelschorle als ungesünder als ein Apfelsaft deklariert werden muss. Ich weiss nicht, wie diese Berechnungen angestellt werden und wer sie macht. Wir haben Nutri-Score noch nicht und ich hoffe, dass es auch nicht kommen wird.

Sepp Bucher, Pilatus Getränke

«Staat sollte besser in den Schulen anfangen»

Es ist absolut nicht notwendig, dass der Staat hier eingreift. Er sollte eher über die Erziehung in den Schulen dafür sorgen, dass Schüler lernen, was ist gesund und was nicht. Man kann sagen, dass Nutri-Score «bireweich» ist. Wobei wir natürlich auch Birnensaft haben, aber das meiste ist Apfelsaft. Und dieser müsste laut Nutri-Score als ungesund deklariert werden. Somit müsste man den Apfel auch als «ungesund» klassifizieren, weil er Fruchtzucker enthält.

Ernst Möhl, Mosterei Möhl

«Wir versuchen einfach, gesunde Getränke herzustellen»

Für uns ist Nutri -Score beim Mineralwasser selber sicher kein Thema. Bei den Süssgetränken, die einen beachtlichen Anteil unserer Pro­duktion ausmacht, aber natürlich schon. Wir werden jedoch keine Vorreiterrolle gegen das Ampel-System übernehmen. Wir versuchen vielmehr, gesunde Produkte herzustellen und den Zuckergehalt zu redu­zieren.

Patrick Marti, Adelbodner Mineralquellen

hanspeter.schneider@rubmedia.ch

 

KEINE FREUDE AN NUTRI-SCORE