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«Die Marke ist unser wichtigstes Kapital»

Anna Hug ist zusammen mit Andreas Hug Co-Geschäftsführerin der Hug AG. Für sie ist klar, dass das Unternehmen die Marke weiter stärken und weiter Innovationen entwickeln muss.

von Hans Peter Schneider

Anna Hug (47) ist Co-Geschäftsführerin des Gebäckherstellers Hug AG und verkörpert die fünfte Generation.

alimenta: Hug will mehr auf die eigenen Marken setzen und weniger für Eigenmarken der Detailhändler arbeiten. Das kostet und verlangt hohe Investitionen, oder?

Anna Hug: Wie viel wir dort investieren, kann und will ich nicht im Detail sagen. Aber sicher, wenn man eine Marke führt und deren Pflege sicherstellt, hat man grosse Kosten. Insbesondere die Listinggebühren sind enorm teuer – so teuer wie nirgendwo sonst auf der Welt. Dennoch ist für uns klar, dass unsere Marken – Hug, Wernli und Dar Vida – auch unser wichtigstes Kapital sind. Eigenmarken für Detailhändler sind für uns vor allem im Export kein Thema mehr.

Und wie sieht es im Schweizer Detailhandel aus?

Das Retailgeschäft ist zwar nicht im Export, jedoch im Inland gewachsen. Nicht nur wegen unseren starken Marken, sondern auch wegen unseren Innnovationen, wie zum Beispiel mit «Ruby» oder dem zuckerreduzierten «Chocoly». Diese Innovationen haben dem ganzen Sortiment geholfen. Darum sind wir zuversichtlich, dass auch das jüngste Choco-Petit-Beurre-Produkt, «Jungle», gut starten wird. Profitieren konnten wir aber auch durch das gute Konsum­umfeld.

Ruby wurde von Barry Callebaut entwickelt. Wollen Sie auch mit dessen jüngster Erfindung, «WholeFruit», ein neues Produkt lancieren?

Sicher haben wir diese «neue Schokolade» auf dem Radar. Sie ist aber momentan noch gar nicht erhältlich.

Im Gastrobereich wächst Ihr Geschäft enorm, insbesondere mit den Tartelettes. In welchen Märkten im Besonderen?

Im Exportgeschäft, vor allem im fernen Osten, konnten wir starke Kunden aufbauen und im Nahen Osten haben wir unser gutes Standbein sichern und erweitern können. Besonders gefragt sind diese Produkte in den Gastronomiemärkten in Japan, China, Südkorea, Katar, Südafrika, aber auch in den USA.

Die Umsatzsteigerung mit Tartelettes um 40 Prozent in der Gastrolinie ist erstaunlich. Dort herrscht noch fast mehr Preiskampf als im Retail. Wie gehen Sie vor?

Wir beherrschen diesen Markt einfach gut. Und für unsere Filigrano-Tartelettes, die mit Butter hergestellt sind, ist der Kunde auch bereit, mehr zu bezahlen. Zudem nimmt uns die Gastronomie als Schweizer Anbieter wahr. Das, zusammen mit der Breite unseres Sortiments, das jetzt auch die Hardegger-Hüppen-Produkte umfasst, ist entscheidend.

Die grossen Firmen wollen Nutri-Score einführen. Wie betrifft dies Hug?

Wir waren enttäuscht über die Entscheide der grossen Konzerne, hoffen aber, dass Nutri-Score nicht gesetzlich verankert wird. Wir wissen, welche Nutri-Score unsere Produkte haben, wobei jedoch enttäuschende Resultate zutage kamen. So wird zum Beispiel ein eigentlich gesundes Vollkorn-Dar-Vida nature nicht einmal mit grün, sondern nur mit gelb bewertet. Damit habe ich Mühe und es zeigt, dass es Widersprüche mit diesem System gibt und dass es nach wie vor kein Kennzeichnungssystem gibt, das einfach über alle Kategorien einsetzbar ist.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch