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Milchsäurebakterien könnten zu einer gesunden Darmflora beitragen

Milchsäurebakterien haben das Potenzial, zu einer gesunden Darmflora beizutragen. Das haben Forscher von Agroscope und der Uni Bern nach der Analyse der Liebefelder Bakterienkulturen herausgefunden.

von pd/mos

(Bild Agroscope)

Lässt sich das menschliche Darmmikrobiom durch die Aufnahme bestimmter Bakterien über die Ernährung optimieren? Dieser Frage gingen Forscher von Agroscope und der Universität Bern nach und haben dazu das Potenzial von Milchsäurebakterien aus der Liebefelder Stammkulturensammlung analysiert, wie es im aktuellen Agroscope-Newsletter heisst.

Der Hintergrund: Eine vielfältige Darmflora ist entscheidend für die Gesund des Menschen. Allerdings gefährdet unsere Ernährung mit ihrer oft geringen Nährstoffvielfalt diese Diversität, was zur Entwicklung von chronischen Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes oder entzündlichen Darm- und Autoimmunerkrankungen beitragen kann.

Abhilfe schaffen könnten laut Guy Vergères, Ernährungsspezialist bei Agroscope, die mikrobiellen Stammsammlungen aus der Milchwirtschaft: «Die Sammlungen von Bakterien, die aus einem Jahrhundert Milchforschung hervorgegangen sind, könnten gezielt genutzt werden, um die Diversität des Darmmikrobioms zu erhöhen», wird er im Newsletter zitiert. Die Bakterien, die für die Herstellung von Käse gebraucht werden, wurden über die Jahre aus verschiedenen Käsereien zusammengetragen.

89 Prozent der biochemischen Funktionen abgedeckt

Mit einer Computer-Simulation haben die Forscher die Genome von 626 Bakterien, grösstenteils Milchsäurebakterien, aus der Sammlung untersucht. Anschliessend wurde pro Spezies ein Bakterium (Stamm) ausgewählt. Die Gene dieser 24 Stämme wurden dann mit dem Darmmikrobiom von vier gesunden Menschen verglichen.

Die Analyse hat ergeben, dass die 24 Bakterien zusammen etwa 89% der biochemischen Funktionen des menschlichen Darmmikrobioms abdecken können. Das heisst, dass die mikrobiellen Sammlungen aus der Milchwirtschaft möglicherweise eine interessante Quelle für Bakterien sein könnten, die zu einem gesunden menschlichen Darmmikrobiom beitragen.

Potenzial für neue Lebensmittel

«Unsere Studie hat gezeigt, dass die Liebefelder Stammsammlung ein bedeutendes genetisches Potenzial aufweist. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, auf Basis dieser Bakterien neue (fermentierte) Nahrungsmittelprodukte zu entwickeln, die die negativen Auswirkungen der westlichen Ernährung auf die Gesundheit mildern», so Guy Vergères.

Gegenwärtig wird das Potenzial dieser Bakterienstämme für verschiedene Anwendungen in der Lebensmittelproduktion untersucht. Beispielsweise werden Bakterien selektioniert, die Vitamine und immunregulierende Moleküle in Joghurt produzieren. Insbesondere die Kombination von mehreren Stämmen, die sich auf biochemischer Ebene ergänzen, könnte ein neues und vielversprechendes Konzept für die Nahrungsmitteindustrie sein, heisst es.

Link zur Studie: https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/aktuell/newsroom/2020/09-23_milchsaeurebakterien.html