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70 Prozent der Schweizer Getränkeproduzenten in wirtschaftlicher Not

Geschlossene Restaurants, abgesagte Kultur- und Sportevents: Die Schweizer Getränkebranche leidet stark unter der Coronapandemie. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Branchendachverbandes.

von pd/mos

Die Getränkeproduzenten hatten Umsatzeinbussen von bis zu 80 Prozent. (Symbolbild Fenaco/zvg)

Die Schweizer Getränkeproduzenten befänden sich namentlich als Zulieferer der geschlossenen Gastronomie und der  Kultur-, Event- und Sportbranche in «grosser existentieller Not». Das schreibt die Arbeitsgemeinschaft der Schweizerischen Getränkebranche (ASG) in einer Mitteilung vom Freitag. Laut einer Umfrage des Dachverbands der Schweizer Getränkeindustrie bei seinen Mitgliedern geben 70 Prozent an, dass ihre Situation prekär sei.

Die Umsatzeinbussen schwanken stark bei den befragten Unternehmen und reichen von wenigen Prozenten bis zu über 80 Prozent, je nachdem, ob vor allem über die Gastronomie oder den Detailhandel verkauft wird. Über 40 Prozent der Befragten sind auf Überbrückungskredite angewiesen. Knapp 15 Prozent der Unternehmen befürchten aufgrund der getroffenen Schutzmassnahmen gar den Konkurs ihres Unternehmens, wie die ASG schreibt. Fast die Hälfte der Unternehmen rechnet im nächsten halben Jahr mit Liquiditätsproblemen und ein Viertel der Befragten mit Entlassungen in ihren Betrieben. Eine Normalisierung der Geschäftstätigkeit wird von einem Grossteil erst in mehr als einem Jahr erwartet, wie es weiter heisst.

Erholung im Sommer, ab Oktober erneuter EInbruch

Bereits im ersten Lockdown 2020 hatte die Arbeitsgemeinschaft ihre Mitglieder zur wirtschaftlichen Situation gefragt. Bei 50 Prozent der Befragten habe sich die wirtschaftliche Situation seither weiter verschlechert, heisst es. Ein Grossteil der Unternehmen habe zwar zwischen Juli und Oktober mit guten Absätze die Einbussen aus dem ersten Lockdown einigermassen aufholen können. Durch die verschärften Schutzmassnahmen ab Oktober 2020 sei der Absatz aber wiederum massiv und existenzbedrohend eingebrochen, heisst es in der Mitteilung.

Härtefall-Regelung: Auch Zulieferbetriebe sollen erfasst werden

«Den Getränkeproduzenten steht das Wasser bis zum Hals», schreibt die ASG. Die Schweizerische Getränkebranche fordert deshalb von Bundesrat und Kantonen, die Härtefallgelder «so schnell wie möglich und unkompliziert» auszuzahlen. Zudem müsse die Härtefall-Regelung so ergänzt werden, dass auch die Zulieferbetriebe der festgelegten Härtefall-Branchen erfasst würdne, also auch Getränkeproduzenten,  die die Gastronomie beliefern. Angezeigt sei zudem eine zeitnahe Wiedereinführung des COVID-19-Solidarbürgschaftskreditsystems, wie im Frühjahr 2020.

Die ASG vertritt rund  30’000 Betriebe aus den Sektoren Bier, Wein, Mineralwasser und Erfrischungsgetränke, Spirituosen und Obstsaft, die zusammen einen Umsatz von rund 14 Milliarden Franken machen.