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Schweizer Präsenz an der Anuga: klein, aber fein

Wegen Corona reisen diesen Oktober weniger Schweizer Aussteller an die weltgrösste Foodmesse Anuga in Köln. Spannende Produkte haben sie trotzdem im Gepäck.

von pd/mos

Auch Züger Frischkäse ist wieder an der Anuga vertreten. (Koelnmesse GmbH, Thomas Klerx)
Die Schweizer Lebensmittelbranche präsentiert sich auch an der diesjährigen Anuga, die vom 9. bis 13. Oktober in Köln stattfindet. Die Schweizer Präsenz ist wegen Corona allerdings kleiner als in früheren Jahren. Am Gemeinschaftsstand Swiss Pavilion, der von Swiss Global Enterprise (S-GE) organisiert wird, zeigen sich auf einer Fläche von über 215 Quadratmeter acht Unternehmen, bei der letzten Ausgabe von 2019 waren es 16 Firmen auf 274 Quadratmeter.
Die Unsicherheit und gesundheitliche Bedenken hätten dieses Jahr einige Schweizer Aussteller von der Teilnahme abgehalten, sagt Valentin Diethelm, S-GE-Projektleiter für Messen, gegenüber foodaktuell.ch. Für andere Firmen lohne sich der Aufwand für den Messeauftritt nicht, weil man wegen Corona weniger Besucher erwarte, etwa aus Ländern wie Indien , sagt Diethelm weiter.
Er sieht die Schweizer Präsenz an der Anuga trotzdem positiv. Endlich sei wieder «reales» Messeleben möglich, und die Schweiz haben mit den teilnehmenden Firmen einen starken Auftritt.
Käse: Sortenorganisationen verzichten weitgehend
Auch die Schweizer Käseproduzenten zeigen an der Anuga wieder innovative Produkte und traditionelle Spezialitäten. Im Swiss Cheese Pavilion, der von Switzerland Cheese Marketing gemeinsam mit S-GE organisiert wird, präsentieren sich sieben Unternehmen auf 400 Quadratmetern. 2019 war der Käsepavilion mit 900 Quadratmetern mehr als doppelt so gross. Um die Gänge breiter zu machen und das Abstandhalten zu ermöglichen, habe die Messeveranstalterin allen Ausstellern die Fläche umeinen Drittel reduziert, ausserdem gebe es dieses Jahr im Käsepavillion kein Restaurant, erklärt Diethelm. Dafür seien die Kojen der Exporteure grösser als gewohnt, damit sie Kunden empfangen könnten.
Auffallend ist, dass dieses Jahr alle Sortenorganisationen ausser der Interprofession du Gruyère AOP auf einen Messeauftritt verzichtet haben. Wegen Corona sei es nicht erlaubt, ganze Käselaibe zu präsentieren und den Besuchern offen Käsehäppchen zur freien Degustation anzubieten, erklärt Valentin Diethelm. «Das hat die Sortenorganisationen dazu bewogen, nicht teilzunehmen.»
Swiss Pavilion: Babynahrung aus Ziegenmilch
Acht Unternehmen sind im Swiss Pavilion vertreten. Proteine sind das grosse Thema der Marke «Chiefs»: Neben Riegeln und Drinks hat die Marke auch Puddings, Glace und Pizza mit erhöhtem Proteinanteil im Portfolio. Mit der Teilnahme an der Messe will die Averdi AG, die Chiefs exklusiv vermarktet und vertreibt, den weltweiten Export ankurbeln. Vorgestellt wird ausserdem ein neues, fruchtiges Erfrischungsgeränk.
Der Milchpulver- und Babynahrungshersteller Hochdorf präsentiert als Neuheit seine Bimbosan-Säuglingsnahrung auf Basis von Ziegenmilch, die speziell für Babys mit empfindlichen Bäuchlein entwickelt wurde. Eine weitere Neuheit in der Pipeline von Hochdorf: Ein Produkt auf Basis von hydrolisiertem Reisprotein, das bei starker Kuhmilchallergie oder Galaktosämie geeignet ist.
Mövenpick Schweiz präsentiert sich an der Anuga 2021 mit dem neuen Markenauftritt «Bester Geschmack – mit gutem Gewissen» und zeigt vegane Alternativen zum Mövenpick Caffè Freddo und zum Mövenpick Feinjoghurt.
Natürlich darf auch Schokolade am Swiss Pavillion nicht fehlen: Das Freiburger Traditionsunternehmen Chocolat Villars erweitert seine Terroir-Kollektion von Schokolade mit Milch aus den Kantonen Bern und Freiburg um eine Schoggi mit Milch aus dem Waadtland.
Mehr Kakao, weniger Zucker – und damit zurück zu den Wurzeln der Schweizer Schokoladenkunst: Das ist das Motto des jungen Unternehmens Cocoa Luxury. CEO Vernon Stuber präsentiert an der Anuga seinen Schoggiriegel «SwissOne», wegen dem Toblerone-Herstellerin Mondelez das Schoggi-Start-up vor Gericht gebracht hatte – wegen angeblicher Verwechslungsgefahr und Rufausbeutung. Das Gericht gab Stuber Recht.
Auch dabei am Stand sind die Räber AG mit ihren Konfitüren, Gelees, Fruchtaufstrichen und Bäckereimarmeladen, der Essiggemüsehersteller Reitzel sowie das Start-up Nectariss, das mittels einem patentierten Fermentationsverfahren natürliches Trüffelaroma aus echten Trüffeln herstellt. Für seien Bio-Trüffelöle sucht Nectariss nun Detailhändler und Vertriebsunternehmen. Ausserhalb des Swiss Pavilions sind weitere Schweizer Firmen mit eigenen Ständen an der Anuga, darunter der Fleischalternativenhersteller Planted.
Raclette à la marrocaine und A2-Mozarella
Im Käsepavillion zeigen sich sieben Aussteller. Die Schweizerische Genossenschaft der Weich- und Halbhartkäsefabrikanten (SGHW) mit Brülisauer Käse, Fromages Spielhofer und Seiler Käserei ist mit einer Reihe von Spezialitäten vertreten. So stellt etwa die Seiler Käserei ihre neuen aromatisierten Raclettes von scharfem Jalapeño bis zu marrokanischem Ras-el-Hanout vor. Als einzige Sortenorganisation ist dieses Jahr die Interprofession du Gruyère AOP vertreten, der sein Jubiläum «20 Jahre AOP» feiert. Im Zentrum der Messepräsenz von Emmi stehen Schweizer Premium-Angebote wie die der Studer Spezialitätenkäserei aus Hefenhofen, die mit Marken wie «Der scharfe Maxx» bekannt geworden ist. Die Züger Frischkäse AG stellt Frischkäseprodukte her, die zu 50 Prozent nach Europa und Übersee exportiert werden. Als Neuheiten präsentiert Zuger den Hüttenkäse, der konventionell, Bio, laktosefrei und als High-Protein-Variante erhältich ist. Ebenfalls neu ist ein Mozzarella aus A2-Milch. Die Freiburger Cremo zeigt an der Anuga ihre Erfahrung bei der Affinage von AOP-Käsen unter der hauseigenen Marke «Von Mühlenen». Auch mit dabei sind Margot Fromages und Switzerland Cheese Marketing.
Weitere Infos zur Messe: www.anuga.de