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Euroschwäche trifft deutsche Lebensmittelhersteller

Die aktuelle Parität zwischen Euro und US-Dollar belastet deutsche Lebensmittelhersteller. Die Import von Rohstoffen aus dem Dollarraum werden teurer.

von lz

Für deutsche Lebensmittelhersteller werden Rohstoffe, die in US-Dollar gehandelt werden, wie Tee, Kakao, Gewürze oder tropische Früchte immer teurer. Der Euro hat seit Anfang Jahr gegenüber dem US-Dollar 13 Cent an Wert verloren, aktuell herrscht Parität. Beim Teehersteller Teekanne würden bereits höhere Kosten für Rohstoffe aus Nord- und Südamerika durch die aktuellen Währungsverhältnisse nochmals erhöht, wird Geschäftsführer Frank Schübel in LZ-net zitiert. Zusammen mit teurerer Energie koste das «richtig Ertrag». Schokoladenhersteller Riegelein sieht sich gemäss Geschäftsführer Claus Cersovsky mit höheren Kakao- und Verpackungspreisen konfrontiert.
Auch der Nuss- und Trockenfruchthändler Seeberger beschafft einen Grossteil der Rohwaren in US-Dollar. Trotz vorausschauender Währungspolitik würden die Kosten das Unternehmen zeitversetzt voll treffen, wird ein Unternehmenssprecher zitiert. Die Banken erhöhen mit ablaufenden Vereinbarungen für Dollarkursabsicherungen die entsprechenden Gebühren.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) rechnet ebenfalls mit verzögerten Auswirkungen der Euro-Schwäche. Insbesondere verteuere die Parität den Ölpreis, was die gesamte Logistik verteuere.
Im Prinzip können europäische und deutsche Hersteller vom schwachen Euro auf der Exportseite profitieren, wenn die Produkte konkurrenzfähiger werden. Allerdings sind die Exportmengen in den Dollar-Raum nicht sehr gross. 2020 wurde von rund 185 Milliarden Euro Umsatz für die Lebensmittelbranche nur ein Zehntel ausserhalb von Europa erzielt. Dieser Wert ist mit Corona, Ukraine-Krieg und gestörten Lieferketten wohl noch gesunken.
Die aktuelle Parität sei die Folge einer verfehlten Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), findet man beim Aussenhandelsverband BGA. Die EZB habe die Entwicklung in Kauf genommen und «sich bei der Zinserhöhung weggeduckt», wird BGA-Hauptgeschäftsführer Anton Finkelnburg zitiert. Das sei ein «schwerer Fehler» gewesen.