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BOM: Der grüne Teppich wird weiter ausgerollt

Die Branchenorganisation Milch (BOM) blickt auf ein gutes Jahr 2022 zurück. Sie konnte durch die weltweit hohen Milchpreise Reserven in den Milchfonds bilden. Der grüne Teppich soll ausserdem zum Branchenstandard werden.

BOM-Präsident Peter Hegglin und sein Geschäftsführer Stefan Kohler. (hps)

Nicht nur die Schweizer Finanzbranche sei auf stabile Verhältnisse angewiesen, spielte Peter Hegglin, Präsident der Branchenorganisation Milch (BOM) auf die aktuelle Situation im Bankensektor an. Auch die Schweizer Milchbranche müsse verlässliche Instrumente haben, sagte Hegglin an der Delegiertenversammlung vom 14. April in Bern. Insbesondere, wenn die Märkte wie im letzten Jahr zahlreiche Überraschungen bereithielten. Der trockene Sommer dämpfte die Milchproduktion. Die Menschen seien wieder vermehrt gereist und insbesondere in Deutschland habe eine schlechte Konsumentenstimmung geherrscht, sagte Hegglin. Das habe sich auf den Konsum von Milchprodukten ausgewirkt.
Die Instrumente, welche der BOM zur Verfügung stehen, hätten sich in diesem Umfeld als sehr nützlich erwiesen. So habe die Segmentierung zusammen mit dem Richtpreissystem für stabile und geordnete Verhältnisse gesorgt. Zudem habe sich die BOM vermehrt in die agrarpolitische Diskussion eingeschaltet. Dies wolle man auch künftig tun, sagte Hegglin gleich zu Beginn der Versammlung.
«Die stark gestiegenen Milchpreise sorgten für gute Einkommen der Milchbauern», sagte Stefan Kohler, Geschäftsführer der BOM. Gleichzeitig hätten jedoch die stark gestiegenen Kosten die Erlöse wieder aufgefressen. Sorgen hätten auch die Käseexporte gemacht, die aufgrund der hohen Preise im Ausland tiefer ausfielen, sagte Kohler. Doch insgesamt könne man auf ein gutes Jahr 2022 zurückblicken.
Preissenkung im B-Segment und keine C-Milch
Das Kernthema der Organisation bleiben die Richtpreise. Der BOM-Vorstand entschied sich 2022 zweimal - einmal im April, einmal im November -  für eine A-Richtpreiserhöhung. Der B-Richtpreis sei der dynamischen Preisentwicklung für Magermilchpulver auf den europäischen Märkten gefolgt. Dieser ist stark gesunken, was sich auf die ausbezahlten Molkereimilchpreise in der Schweiz auswirkte. «Der B-Richtpreis sinkt Anfang Mai nochmals um 1,5 Rappen auf 55,5 Rappen», sagte Kohler. Im Juli 2022 lag der B-Milchpreis laut BOM-Geschäftsbericht noch auf 69,8 Rappen. Doch der Anteil an B-Milch sei viel kleiner geworden und C-Milch hätte man gar nicht mehr.
Im letzten Jahr sind die europäischen Milchpreise stark gestiegen. «Wir haben nie daran gedacht, dass die EU-Milchpreise so nahe an die Schweizer Milchpreise kommen könnten», sagte Kohler. Die europäischen Preise seien viel stärker gestiegen als in der Schweiz. Die preisbildenden Instrumente der BOM seien so ausgelegt, dass der Preis auch gegen oben gedämpft werde. Durch das sogenannte «Capping» betrage der Preisunterschied zur EU nie mehr als 25 Rappen. Dank der Swissness und den Marktanstrengungen seien die Preise jeweils zwischen 15 und 20 Rappen höher gelegen, sagte Kohler.
Reserven gebildet
Durch die positive Lage am Milchmarkt im letzten Jahr hat die BOM in ihrem Fonds-System einen Überschuss von fast 10 Millionen Franken erwirtschaftet. Anfang 2022 startete sie mit einem Minus, am Schluss resultierte ein Positivsaldo von 8,8 Millionen Franken. Die BOM konnte dem Schweizerischen Getreideproduzentenverband (SGPV) sogar ein Darlehen gewähren. Und 2,5 Millionen Franken habe die BOM auf der Bank zu einem Zins von 1,2 Prozent angelegt, sagte Kohler. Dennoch erwartet er für das laufende Jahr ein Defizit zwischen 2 und 4 Millionen Franken. Denn die Preisdifferenz zwischen dem EU-Milchpreis und dem Schweizer Milchpreis liegt wieder bei über 25 Rappen. Das Defizit falle in dieser Höhe aus, wenn die Stützung 4,5 Rappen pro Liter Milch betrage.
Butterimporte
Die BO Milch habe die Verantwortung für einen ausgeglichenen Buttermarkt übernommen, sagte Hegglin. Im letzten Jahr gab es insgesamt fünf Gesuche zum Butterimport. Importiert wurden total 6000 Tonnen, im Januar 2023 kamen noch 3000 Tonnen dazu, die im November 2022 bewilligt worden waren. Hegglin führte nochmals die Gründe für den Import auf. Dies seien der im ersten Halbjahr 2022 gute Absatz von Käse gewesen, die knappen Milcheinlieferungen und die tieferen Milchgehalte.
Wachstum beim Label «Swissmilk Green»
Beim Nachhaltigkeitsstandard «Grüner Teppich» sind 70 Prozent der Milchproduzenten angemeldet, die Zahl der Anmeldungen steigt nicht mehr stark, wie Peter Hegglin sagte. Bei der silofreien und verkästen Milch sind es 33 Prozent, bei der Molkereimilch 90 Prozent. Dort sei im letzten Jahr noch ein Zuwachs von 5 Prozent realisiert worden. Das Wachstum bei den mit dem Label «Swissmilk Green» ausgezeichneten Verpackungen stieg im 2022 um 45 Prozent auf 205 Millionen Packungen. Die BOM rechnete mit einem Anteil von 100 Prozent, hier machte die Dynamik mit der Wiesenmilch von IP-Suisse der BOM einen Strich durch die Rechnung. «Die haben uns kopiert und waren erfolgreicher», gab Stefan Kohler freimütig zu. Dennoch, «Swissmilk Green» sei zu einem Erkennungszeichen in der Werbung geworden.
Anpassungen beim grünen Teppich
Die Delegierten genehmigten den Vorschlag aus dem Vorstand, die Massenbilanz bis Ende 2023 zu verlängern. Zustimmung gab es auch für den Entscheid, dass ab dem 1. Januar 2024 nur noch Schweizer Milch gehandelt und verarbeitet wird, wenn diese nach den Richtlinien des Branchenstandards produziert worden ist. Damit wird der «Grüne Teppich» flächendeckend zum Branchenstandard. Damit aufgrund der aktuell geltenden Anforderungen niemand ausgeschlossen wird, entschied der Vorstand bereits im Februar, dass Kompensationsmöglichkeiten und eine Übergangsfrist für ältere Betriebsleiter oder Betriebe mit einem entsprechenden Umbauprojekt möglich sind. Die Weiterentwicklung des Grünen Teppichs wird auf das Jahr 2025 verschoben, wie Kohler sagte. Die Herausforderung, griffige Vorgaben zu machen, die dann auch von allen Produzenten erfüllt werden könnten, sei gross.
Wird Milchbranche von Sparprogrammen betroffen?
In Bern referierte auch Christian Hofer, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW). Mit dem grünen Teppich übernehme die Milchwirtschaft Verantwortung, sagte Hofer. Aktiv etwas zu unternehmen sei besser als nur reagieren. Dennoch müsse sich die Milchwirtschaft bewusst sein, dass der gesellschaftliche Druck in Richtung Nachhaltigkeit gross sei. Tierhaltungssysteme und der Futterbau müssten sich den Herausforderungen des Klimawandels stellen. Die Milchbranche profitiere stark von öffentlichen Mitteln, dadurch könne sie auch von Sparprogrammen betroffen sein, warnte Hofer. Der Bund werde die Branche aber nicht alleinlassen.
Die Politik sende widersprüchliche Signale aus, fand Stefan Kohler: «Wir machen uns Sorgen für die nächste Generation.» Es sei nicht sicher, ob die jungen Leute noch in die Milchproduktion einsteigen würden. Dass genügend Landwirte in der Milchproduktion verbleiben, sei aber entscheidend.

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