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«Qualitativ top und so nah wie möglich am Original»

Der Convenience-Hersteller Hilcona hat mit «The Green Mountain» ein internes Start-up gegründet, das pflanzliche Fleischalternativen herstellt. CEO Martin Henck wird darüber an der diesjährigen Tagung «Brennpunkt Nahrung» sprechen.

«Hilcona ist traditionellerweise ein Gemüseverarbeiter und von daher schon immer auch 'vegi'.» (Hilcona)

Hilcona investiert am Hauptstandort im liechtensteinischen Schaan 120 Millionen Franken. Wofür genau?
Unser Werk in Schaan ist das grösste und älteste innerhalb der Hilcona-Gruppe. Es ist in den letzten Jahrzehnten organisch gewachsen, nun haben wir einen Masterplan zur Entwicklung des Werks für die nächsten Jahre verabschiedet. Das gesamte Werk wird modernisiert, es kommt technisch auf den neuesten Stand und wird uns Effizienzsteigerungen und weiteres Wachstum ermöglichen. Dabei geht es um die Produktion, Lieferung, Lagerung und die zentralen Dienste. Daneben laufen auch unsere ordentlichen Investitionen, wie zum Beispiel die Installation einer Nassextrusionslinie oder der Ausbau der Kapazität im Bereich Pasta.
Hilcona hat noch weitere Standorte.
Ja, wir sind international aufgestellt. Landquart ist unser vegetarisches Kompetenzzentrum, dort werden die meisten vegetarischen und veganen Produkte der Hilcona-Gruppe hergestellt. In unserem Werk in Orbe produzieren wir in erster Linie Sandwiches und Pizzen, dort beschäftigen wir aktuell über 500 Mitarbeiter. In Schlieren haben wir eine neue Manufaktur für Sandwiches gestartet, in Salez sind vor allem unsere Klassiker, die Konservendosen, gelagert. Und schliesslich haben wir ein Werk in Bad Wünnenberg in Deutschland mit der Produktion von frischen Salaten, Müslis und Fertiggerichten für Einzelhandel und Foodservice. In unserem Hauptsitz in Schaan produzieren wir ein breites Sortiment: Frischteigwaren, Tiefkühlpasta, Konserven und auch Ultrafrischprodukte wie zum Beispiel Mahlzeiten, Poke Bowls oder Birchermüesli. Verschiedene Produkte werden auch exportiert.
Wie haben sich die Sortimente während der Pandemie entwickelt?
Die Corona-Pandemie hat uns mit massiven Verlagerungen in allen Bereichen extrem gefordert. Zuerst brach das To-Go-Geschäft ein, dann der Food-Service mit den Restaurants und die Gemeinschaftsverpflegung. Ein Wachstum gab es dafür bei Produkten fürs Zuhause-Kochen. Im Moment sind fast alle unsere Sortimente wieder auf oder deutlich über dem Vor-Corona-Niveau. Noch nicht ganz zurück sind wir in der Gemeinschaftsverpflegung. Da spüren wir den höheren Home-Office-Anteil.
Corona sorgte auch für ein Konserven-Revival. Ist der Boom wieder abgeflaut?
Nein, ganz und gar nicht. Die Nachfrage hat sich eher noch erhöht. Mit dem Ukraine-Krieg wird der Notvorrat wieder ein Thema. Wir sind aktuell der einzige Konservenhersteller für Schweizer Gemüse. Wegen der grossen Nachfrage sind auch unsere Konservenlager etwas zurückgegangen. Die diesjährige Ernte unserer 500 Vertragsbauern ist zum Glück bisher gut gelaufen. Jetzt hoffen wir, dass es so weiter geht und die Erntebedingungen weiterhin so positiv ausfallen.
Wie betrifft Sie das Thema Rohstoffpreise?
Das betrifft uns massiv. Ich habe das trotz meiner langen Branchenerfahrungen noch nie in dieser Dimension erlebt. Der Preis für Hartweizen hat sich verdoppelt, aber auch die Preise für Molkereiprodukte oder Eier gehen durch die Decke. Die drei wichtigsten Rohstoffe für Frischteigwaren haben sich also alle massiv verteuert. Auch die steigenden Energiepreise wirken sich überall aus. Da haben wir den Vorteil, dass wir bereits an zwei Standorten klimaneutral produzieren.
Wie gut können Sie Preiserhöhungen an Kunden weitergeben?
Es ist eine Herausforderung. Wir suchen mit den Kunden nach gemeinsamen Lösungen. Rohstoffpreiserhöhungen in einem solchen Umfang können weder durch Kostensenkungsprojekte noch durch Mehrvolumen kompensiert werden, sonst geht es an die Substanz eines Unternehmens. Bei den relativ tiefen Margen führt an einer Weitergabe kein Weg vorbei. Eine vergleichbare Situation haben auch unsere Lieferanten. Trotz Jahresverträgen sehen sich viele Lieferanten nicht mehr in der Lage, die vereinbarten Preise einzuhalten. Die Lieferbereitschaft hat dann erste Priorität.
Hilcona hat mit The Green Mountain ein internes Start-up für Fleischalternativen gegründet. Weshalb haben Sie nicht ein Start-up gekauft?
Hilcona ist traditionellerweise ein Gemüseverarbeiter und von daher schon immer auch «vegi». Auch mit dem Start der Produktion von Tofu aus Schweizer Bio-Soja oder der Lancierung veganer Beilagen für Retail und Food-Service hat sich die Frage noch nicht gestellt. Dies hat sich aber geändert, als wir uns entschieden hatten, in die Produktion und Vermarktung von Fleischalternativen einzusteigen. Diese Produktekategorie richtet sich eher an Flexitarier, ist sehr Technologie-orientiert und zeichnet sich häufig durch eine selbstbewusste, junge und frische Kommunikation aus. Dies würde für eine eigene Einheit oder Beteiligung an einem Start-up sprechen. Andererseits haben wir auch Synergien mit unserer bestehenden Organisation, beispielsweise im Vertrieb oder Produktion. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, The Green Mountain als internes Start-up zu gründen.
Das Sortiment ist rasch gewachsen – nach welchen Kriterien werden Produkte ausgewählt und entwickelt?
Wir haben den Einstieg mit dem Burger gemacht. Es ist ein grosser Markt, welcher eine vegane Alternative erlaubt. Je nach Produkt gelangen unterschiedliche Technologien zum Einsatz. Das Ziel ist immer, qualitativ top und so nah am Original wie möglich zu sein. Wenn die Qualität stimmt, lancieren wir. Das heisst aber nicht, dass die Entwicklung des Produktes abgeschlossen ist.
Was sind die grössten Herausforderungen?
Dem Geschmack und der Textur des Originals möglichst nahezukommen. Natürlich muss das Produkt auch wie Fleisch verwendbar sein, beispielsweise beim Anbraten in der Pfanne oder auf dem Grill. Wir testen dies mit unserem Kulinarik-Team und in einer engen Zusammenarbeit mit Gastronomen. Zudem spielt auch die Gesundheit, Nachhaltigkeit und der Preis eine zunehmend wichtige Rolle. Wir arbeiten deshalb daran, möglichst natürliche Rezepturen und Rohstoffe aus der Schweiz oder aus der EU zu verwenden.
Was sind die weiteren Pläne mit The Green Mountain?
The Green Mountain hat nun auch Wiener Schnitzel, Pouletbrust und ein Pfeffersterak lanciert. Es geht also um die grossen Fleischstücke. Mit der Investition in eine Nassextrusionslinie können wir unser Angebot noch erweitern.
Hilcona ist mit Fleischersatzprodukten im letzten Jahr um 25 Prozent gewachsen. Wie wird die Entwicklung weitergehen?
Gut. Dazu gehört auch unsere bewährte Linie «It’s Vegic» mit Gemüseburgern, Vegiballs und ähnlichen Produkten für die Gastronomie. Aber konkret auf Ihre Frage: Wir sind mit dem Wachstum von The Green Mountain sehr zufrieden. Dieser Markt ist auch wegen der Pandemie so stark gewachsen. Er wird weiterwachsen, aber langsamer.
Sie verkaufen The Green Mountain auch im Ausland. Wie läuft es dort?
Wir sind in Deutschland und Österreich im Food-Service und Detailhandel gestartet, in Frankreich im Food-Service. Das Feedback ist sehr positiv, aber wir stehen noch am Anfang. Uns ist aber auch klar, dass in diesem Markt niemand auf uns gewartet hat. Wir müssen uns deshalb mit The Green Mountain differenzieren und klar positionieren.

Milchwirtschaftliches Museum

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