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Chatbots für Kreativ-Anwendungen einsetzen

Nach ChatGPT von «Open AI» und Bing von Microsoft sind nun auch Bard von Google in der Schweiz und You.com öffentlich zugänglich, bald auch SwissGPT. Stärken der Chatbots sind Kreativität, Schwächen oft Falschinformationen und fehlender Datenschutz.

Der deutsche Gewürzhersteller Ankerkraut liess von ChatGPT eine Gewürzmischung und einen Namen dafür erstellen. Auch die Bilder und Werbetexte dafür stammen von KI-Apps. (Ankerkraut)

Chatbots erleben einen Boom, aber regelmässig erscheinen in Medien Warnungen, vor allem wegen Falschinformationen, Datenschutzproblemen und sogar Manipulationsrisiken.
In der Tat: Bei ChatGPT werden alle Eingaben im Chatverlauf, auch persönliche, für das Training der KI verwendet – ein grosses Handicap für Firmen. Gemäss dem deutschen Zentrum für KI ist ChatGPT keine Faktensuchmaschine. Der Bot sei trainiert, plausible Texte zu verfassen. Wissenslücken füllen Bots mit Fiktion (Halluzinationen): sie liefern falsche oder erfundene Informationen. Beispielsweise nennt Bard auf die Frage nach gesunden tierischen Fetten Nüsse und Samen. Oft vorhandene Schwachstellen sind auch die unklare Aktualität sowie teilweise fehlende oder nutzlose Quellenangaben.
Wer trotzdem Fakten sucht, sollte variierende Fragen stellen, den Bot rückfragen, bis Klarheit herrscht und Quellen konsultieren. Ferner mehrere Bots parallel verwenden, dies auch auf Englisch und Fakteninfos mit Wikipedia und klassischen Suchmaschinen verifizieren. Ausserdem können die Antworten unausgewogen sein oder nicht repräsentativ. Denn der Algorithmus setzt die Priorität bei der Internetpräsenz statt bei der Relevanz. Je stärker Lobbygruppen im Internet auftreten, desto höher gewichtet er sie. Eine schwache Datenlage und der einseitige Algorithmus können Antworten stark verzerren.
Derzeit sind zum Beispiel Veganer viel aktiver als traditionelle Metzgereien und professionelle Ernährungsexperten. Fragt man, wie die Eisenzufuhr in der Ernährung verbessern werden könne, erhält man unausgewogene Informationen. Alle Bots nennen nur pflanzliche Lebensmittel. Ein menschlicher Experte dagegen würde primär Fleischprodukte wie Blutwurst und Leber nennen, die viel mehr und besser resorbierbares Eisen enthalten.You.com nennt auf die Frage nach den gesündesten Lebensmitteln alles pflanzliche und nur ein tierisches (Fisch).
Kreativ und sehr schnell
Die Stärke der Chatbots liegt in der Kreativität und im Detaillierungsgrad, auch wenn man eher das Gegenteil erwartet. Auch traditionellen Suchmaschinen kann man Fragen stellen und erhält ausformulierte Antworten, aber nur kurze. Chatbots leisten mehr. Will ein Bäcker einen Businessplan erstellen, liefert der Chatbot auf die Frage nach Chancen und Risiken fundierte Antworten in professioneller Form innert Sekunden. Bei Unklarheiten oder Enwänden kann er mit dem Bot chatten und das Ergebnis nachbessern. Wenn man You.com beauftragt, einen Fantasienamen für eine neue Wurst zu kreieren, die zu 50% aus Fleisch und Gemüse besteht, erhält man als brauchbaren Vorschlag «Fleischgemüse Fusion».
Erfolgreiche Projekte sind daher Produktkreationen, wo die KI ihre Stärken ausspielen kann: Die Hamburger Manufaktur Ankerkraut liess von ChatGPT eine Gewürzmischung kreieren - inklusive Fantasienamen (Parikanova), KI-Bilder, Werbetexte und Pressemitteilung. Der Auftrag lautete: «Entwickle eine trendige Gewürzmischung, die Verbraucher zum Kochen motiviert. Kreiere einen passenden, kreativen Produktnamen und einen Claim. Entwickle ein Rezept für ein Gericht. Schreibe Social-Media-Posts, um das Gewürz zu bewerben». Die KI habe ihre Aufgaben reibungslos erfüllt.
Und die Eglisauer Firma Vivi Kola kreierte das neue Süssgetränk «Vivi Nova» mit KI. Sie erstellte ein innovatives Rezept aus Saft von Limetten, Haskap-Beeren, Ingwer und Chicoreewurzel. Von der Idee bis zum Design brauchte sie nur zwei Tage. Allerdings: Deklarationen und Nährwertangaben musste ein Mensch erarbeiten.
Schweizer Lebensmittelindustrie nutzt KI
foodaktuell befragte einige grosse Player der Lebensmittelindustrie. Bei Bell sind zurzeit keine Chatbots im Einsatz und das werde sich in absehbarer Zeit nicht ändern. Dazu Bell-Sprecher Jan Kirchhofer: «Wir schätzen und bevorzugen den persönlichen Kontakt und es ist uns immer noch möglich, sämtliche Anfragen persönlich zu beantworten».
Anders bei Emmi. Firmensprecherin Simone Burgener sagt: «Emmi befürwortet und unterstützt die Nutzung neuer Technologien in allen Bereichen, wenn diese einen Mehrwert generieren. So auch Chatbot-Lösungen, dies derzeit in der IT-Abteilung. Chatbots benötigen Know-how und Konfigurationsaufwand. Herausforderungen bestehen bei Governance und Datenschutz». Emmi hat eine KI-Richtline erarbeitet für Mitarbeitende im Umgang mit KI-Text-Generatoren sowie KI-Bild-Generatoren (Dall-E2 oder Midjourney). Darin sind Regeln definiert, wie mit vertraulichen Informationen, Ergebnissen oder Registrierungen umzugehen ist.
Und die Migros-Industrie hat einen Ideen-Hub eingerichtet, bei dem unternehmensfördernde Ideen eingereicht werden können, dazu gehört auch KI. Dazu Migros-Sprecher Patrick Stöpper: «Konkret prüfen wir in der Migros-Industrie, wie wir ChatGPT sinnvoll einsetzen können und welche Risiken bestehen. Dafür setzen wir auf Enterprise-Lösungen». Die Migros nutzt KI erst punktuell, vor alem in der Industrie für «Predictive Production», Überwachung des Dampfverbrauchs und für Bilderkennung im Fleischbereich (Klassifizierung von Fleischprodukten – mit Deep Learning). Stöpper betont, öffentliche Chatbots wie ChatGPT sollten nur wie eine Suchmaschine genutzt werden. Das Eingeben von geschäftsrelevanten oder sensitiven Daten sei bei Migros nicht erlaubt. Aktuell liege der Fokus darauf, die Mitarbeitenden für die sichere Nutzung zu sensibilisieren. Ein Regelwerk für KI-Anwendungen sei vorhanden und es gebe spezifisch ausgebildete Fachleute als Ansprechpersonen.

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