Datum: Branche:

Neues Reifelager für das Napf-Nugget

Das Luzerner Hinterland ist Milchwirtschafts-Gebiet und Käse ist das wichtigste Produkt. Heute steht am Fuss des Napfes ein grosses Käse­lager. Bis es bezugsbereit, war brauchte es grossen Durchhaltewillen.

von Hans Peter Schneider

Die Napf Chäsi käst in neuen Produktionsräumlichkeiten.
...Dorf wurden 1.5 Mio. Franken...
...in eine neue Halbhartkäserei...
...investiert. Dabei sei die...
Der grösste «Schatz» der Schweizer Käsewirtschaft, Agroscope-Kulturen.
Die Napf-Chäsi füllt auch...
...Jogurt ab und...
Die Produkte werden im Handel verkauft...
...aber auch in den eigenen Läden.
Käsermeister Markus Stirnimann im Besucherzentrum.
Das grösste Stück der 5 Millionen...
...Investition, ging aufs Konto des Käsereifungslager.
Dort sorgt ein optimals Klimaregime...
...für die optimale Reifung der...
...Käsespezialitäten, wie Napf Gold...
...oder dem dreiviertel-Fett-Nugget...
Markus Stirnimann hat Freude am...
...neuen Käselager auf 1200m2 Fläche.

«Am Schluss pressierte es doch noch», sagt Markus Stirnimann von der Napf Chäsi AG. Eigentlich sei klar gewesen, dass gebaut werden müsse. Doch plötzlich war alles anders. Im Lager Goldbach in Lützelflüh, wo die Napf-Chäsi AG ihre Spezialitäten lagerte, wurde der Mietvertrag gekündigt. Der Mietzins sei plötzlich mehr als verdoppelt worden, sagt Stirnimann. Dies wäre bei Weitem nicht mehr tragbar gewesen. So suchte die Käserei nach neuem Käselagerplatz, konnte jedoch keine gute Alternative finden. So musste der Bau eines eigenen Käsereifungslagers in Betracht gezogen werden. Ein solches Projekt zu wagen, war für die Milchlieferanten im Luthertal und Napf-Chäsi AG ein grosses Wagnis. Doch Bauern und Käser waren sich einig, gemeinsam wollten sie vorwärts gehen und erstellten ein erstes Vorprojekt. Dieses zeigte auf, dass für dieses Projekt um Unterstützung (Investitionskredite) angefragt werden musste, sagt Stirnimann. Die darauffolgende Rückmeldung der Kreditkasse lautete, dass das Projekt unterstützt werde, wenn es gelinge, alle Milchbauern im Tal miteinzubeziehen. Jetzt galt es rasch zu handeln blieben doch nur rund ein Jahr bis zum Kündigungstermin, sagt Stirnimann.

Die Vorstände der beiden Käsereigenossenschaften Gyrstock und Luthern klärten in unzähligen Sitzungen die Bedingungen für eine Fusion. Gleichzeitig ging es darum einen möglichen Bauplatz zu finden und die Projektpläne inkl. Finanzierungsplan zu erarbeiten, damit die Gesuche beim Kanton eingereicht werden konnten. «Eine riesige Herausforderung für alle Mitwirkenden, aber auch ein Projekt, das zusammenkittete», so Stirnimann. So wurde die «Käsereigesellschaft Napf AG» gegründet, der alle Milchlieferanten und die Verarbeiter angehören. Im Gemeindeteil Hofstatt konnte die geeignete Bauparzelle erworben werden und die Projektpläne waren bereit. Im Frühjahr 2017 sollte mit dem Bau begonnen werden. Es kam anders. 2017 wurde im Kanton Luzern in der Frühjahrssession kein Budget verabschiedet. Alle kantonalen Projekte waren blockiert, auch den Investitionskredit (IK) der Napf AG, weil die Politik zu keiner Lösung im damaligen Budgetstreit kam, Das Luzerner Parlament schnürte erst im September 2017 ein neues Budgetpaket, worin auch der Kredit an die Käsereigesellschaft enthalten war. «Wir konnten aufschnaufen», sagt Stirnimann. Das Bauprojekt konnte gestartet werden.

Käselager auf 1200 Quadratmetern

Heute steht am Eingang der Gemeinde Luthern das neue Käselager. Das Lager wird nicht nur für die Käsereifung benötigt, sondern dient auch der Affinage der Spezialitäten, die für verschiedene Detaillisten und das Gastgewerbe bereitgestellt werden. Auch Packmaterial, Gebinde und Etiketten benötigen Raum, damit alles übersichtlich aufbewahrt werden kann. Das Lager wurde auf einer Grundfläche von 30×40 Meter mit einer Höhe von 6 Meter gebaut. Der ganze Bau kostete über 5 Millionen Franken. Davon wurden 1,5 Millionen für den Ausbau der Käserei im Dorf investiert, darin eingeschlossen sind die Prozesstanks und die ganze Spezialitätenproduktion inklusive Jogurtabfüllung. Finanziert wurde der Bau durch eigene Mittel der Milchlieferanten, der Betreiberfirma Napf-Chäsi AG und Beitrage von Bund, Kanton und Gemeinde. Auch die Berghilfe steuerte einen Betrag bei.
In der Käsereigesellschaft Napf AG sind die 60 Milchproduzenten aus dem Luthertal und die Napf-Chäsi AG vereint. Ab dieser Woche (1. Mai 2018) wird die Napf-Chäsi AG auch die Käserei Gyrstock weiter betreiben. Der bisherige Käser Alois Michel geht in Pension. Damit die wachsende Milchmenge mit den Produktionskapazitäten Schritt halten kann, wurde das bisherige Käselager in der Käserei Luthern zur Spezialitätenproduktion umgebaut. Das Highlight in der neuen Produktionsstätte sei jetzt das neue «Kessi» und die neue Käsepresse, sagt Stirnimann. Früher sei die Spezialitätenproduktion doch recht rudimentär gewesen. Die neue Käsepresse sei für die Napf-Chäsi AG ein Meilenstein bei der Weiterentwicklung der verschiedenen Käsespezialitäten.

Vielfältige Produktion

Neben Emmentaler AOP ist der Napf-Bergkäse ein wichtiges Standbein der Napf-Chäsi AG. Weiter produziert die Käserei auch Raclettekäse, Halbhart- und Weichkäse. Ziegen- und Schafmilchspezialitäten runden das Käsesortiment ab. Täglich wird auch Jogurt, Quark, Niidle, Napf-Anke und Pastmilch fabriziert. Ein Grossteil der Produkte wird in der Region abgesetzt. Die Napf-Chäsi AG betreibt einen Chäsi-Laden in Luthern und Triengen und ist jeweils am Samstag in Sursee am Wochenmarkt. Sie beliefert diverse Detaillisten- und Gastrokunden sowie Marktfahrer, Käsehandlungen und Grossisten. Das vielfältige Angebot wird von den Abnehmern sehr geschätzt, ist aber auch sehr arbeitsintensiv. Insgesamt beschäftigt die Napf-Chäsi AG rund 20 Mitarbeitende inkl. Lernende.

Neuröffnung im September
Im Januar 2018 war es soweit, die neuen Räumlichkeiten konnten bezogen werden. Das Käselager in der Nähe zu haben sei für die Napf-Chäsi ideal. Könne so viel kurzfristiger auf Kundenwünsche eingegangen werden, sagt Stirnimann. Während im Innern des Gebäudes schon langsam der Alltag einkehrte, wurde aussen die Gebäudeverkleidung montiert. Diese, wie auch viele andere Arbeiten am Bau, wurde von den Milchlieferanten übernommen. Dankbar sagt Stirnimann: «Ohne die riesigen Eigenleistungen der Bauern, wäre dieser Bau wohl kaum Wirklichkeit geworden».
Die Feierlichkeiten zur Neueröffnung finden am 8./9. September statt.
www.napf-chaesi.ch