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Madagaskar: Kartoffelprojekt sorgt für Nahrungsmittelsicherheit

Ruth Rossier setzt sich mit dem Verein Agro-Sans-Frontière seit Jahren unermüdlich für Verbesserung der Ernährungs- und Lebenssituation von madagassischen Bauernfamilien im Hochland ein. Im Fokus steht dabei die Kartoffelproduktion.

von Ruth Rossier

(Bild: zVg)

Das Kartoffelprojekt in Madagaskar von Agro-Sans-Frontière und Ruth Rossier, soll einerseits zu einer verbesserten Nahrungsmittelsicherheit, andererseits zu einem höheren Einkommen der ländlichen Bevölkerung beitragen. Das Projekt entwickelt sich wie geplant, abgesehen von den Schwierigkeiten bei der Beschaffung von genügend gesunden Pflanzkartoffeln. Das Projekt wird um drei Jahre verlängert (2020 – 2022) und beinhaltet neu zusätzlich die Vermehrung von Pflanzkartoffeln der lokalen Sorte Meva durch den VFTM. Die dazu benötigten Mini-Knollen (F0) kauft der VFTM beim Forschungsinstitut Fifamanor in Antsirabe.

5 Personen (3 Männer, 2 Frauen) wurden 2019 für die Vermehrung bei Ceffel geschult. Die ersten Pflanzkartoffeln wurden bereits im Dez 2019 geerntet und nach der Keimruhe im Jan 2020 erneut gepflanzt. Diese Ernte erfolgt im April 2020. Im Juli 2020 wird erneut gepflanzt und im Oktober geerntet. Diese Pflanzkartoffeln sind dann für die Speisekartoffelproduktion der Produzentinnen bestimmt. Wir hoffen, dass die Pflanzkartoffeln die Regenzeit (Dez bis April) gut überstehen. Das Risiko von Krankheiten wie die Kartoffelfäule ist natürlich in der Regenzeit gross. Falls es zu grossen Ernteverlusten kommt, dann müssen wir uns überlegen, ob wir die Pflanzkartoffeln nicht mit einem Dach vor dem Regen schützen müssen (wie bei uns die Tomaten). 

Für die Kartoffelvermehrung benötigt unsere Partnerorganisation, der bäuerliche Verein VFTM, eine Anschubfinanzierung, welche in einen Anlagefonds (Revolving Fund) fliesst. Dieser soll später durch die Erlöse aus dem Handel des VFTM mit Pflanzkartoffeln gespeist werden und mittelfristig die finanzielle Autonomie des VFTM garantieren. Das Programm für die Speisekartoffelproduktion läuft weiter wie bisher: Weitere Frauen werden im Kartoffelanbau im Ausbildungszentrum Ceffel in Ansirabe und in der «école-ferme» Bel-Avenir in Fianarantsoa ausgebildet. Die Beratung vor Ort übernimmt wie bisher der von VFTM engagierte und vom Projekt bezahlte Agrartechniker. Der Speisekartoffelanbau wird auf weitere Dörfer in der Region Haute Matsiatra ausgedehnt. Wir finanzieren für die neuen Produzentinnen wiederum Kartoffelkochkurse, um die Ernährung zu verbessern, und ADES-Energiesparherde, um den Brennholzverbrauchs und damit die Abholzung der Wälder zu vermindern (neuer Flyer zum Kartoffelprojekt im Anhang). 

Das Kartoffelprojekt in Madagaskar wird nach wie vor von privaten Spenden finanziert. Das Budget für 3 Jahre (2020 – 2022) beträgt rund 38 000 Franken (davon 3000 für die Anschubfinanzierung). Das jährliche Budget fällt wegen der Vermehrung ein bisschen höher aus als bisher, ist aber im Vergleich zu anderen Entwicklungsprojekten immer noch bescheiden. Der Vorteil ist, dass jeder gespendete Franken dank der Freiwilligenarbeit dem Projekt zukommt, da weder Löhne noch Spesen vergütet werden. Die erste Teilzahlung für 2020 von rund 6200 Franken ist erfolgt, die Hälfe davon für den Anlagefonds. 

Am 30. Jan 2020 durfte ich das Kartoffelprojekt in Madagaskar an der GV des Schweizer Pflanzenzüchterverbands (Swisssem) in Murten vorstellen. Gleichzeitig habe ich einen Aufruf für Kartoffelspezialisten mit Französischkennnissen als Begleitpersonen für die Kartoffelmission 2020 (voraussichtlich 1. – 21. Sept) in Madagaskar gemacht (Eigenfinanzierung). Die beiden Kartoffelspezialisten Andreas Keiser (Hafl) und Henri Gilliand (vormals Agroscope), beides Mitglieder von ASF-CH, müssen bei der Mission 2020 leider passen. Sie stehen mir aber weiterhin bei fachlichen Fragen zur Seite. 

Dafür wird Christian Lutz von der Landi Weinland (pensioniert Ende März 2020) Thomas Steiner und mich auf der Mission begleiten. Doch wir können noch Unterstützung von ein bis zwei weiteren Personen brauchen. So haben wir als Team ein breiter abgestütztes Knowhow und können die Arbeiten und die Kosten für die Mission besser verteilen. Wenn jemand also Interesse hat mitzukommen, dann bitte so schnell als möglich bei mir melden. Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. 

Zurzeit werden der neue dreijährige Partnerschaftsvertrag zwischen dem bäuerlichen Verein VFTM und ASF-CH ausgearbeitet und die Pflichtenhefte überarbeitet. Im Dezember 2019 waren beim VFTM Neuwahlen. Dies führte zu Verzögerungen, weil der neue Präsident des VFTM den Partnerschaftsvertrag unterschreiben muss. 

www.agro-sans-frontiere.ch