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«Alles tun, um Seuche zu verhindern»

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Deutschland angelangt. Die Schweizer Schweinebranche will die Einschleppung um jeden Preis verhindern. Wichtig zu wissen: Auf Menschen ist die Krankheit nicht übertragbar.

von Jonas Ingold/lid

Wildschweine können das für Menschen ungefährliche Virus verschleppen. Die grösste Gefahr einer Einschleppung besteht aber durch Fleischabfälle. (Symbolbild Pixabay)

In Osteuropa hat sich die Afrikanische Schweinepest (ASP) schon länger festgesetzt. Zu Beginn des Jahres verbreitete sich das Virus in Polen nahe der deutschen Grenze. Und nun gibt es den ersten ASP-Fall in Deutschland. Ein Wildschweinkadaver ist am 10. September vom Friedrich-Loeffler-Institut positiv auf ASP getestet worden. Der Kadaver war im Bundesland Brandenburg auf Gemeindegebiet von Schenkendöbern rund 7 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt gefunden worden.

Die Behörden in Brandenburg müssen nun Massnahmen ergreifen, um einen Überblick zur Situation zu erhalten und um eine Weiterverbreitung zu verhindern. «Oberstes Ziel ist es jetzt, die Tierseuche auf ein möglichst kleines Gebiet einzudämmen und zu verhindern, dass diese sich ausbreiten kann», erklärte Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnenmacher. Man müsse die Hausschweinbestände vor der ASP schützen. Als erste Massnahmen ist in einem Radius von 15 Kilometer um den Kadaver-Fund ein vorläufig gefährdetes Gebiet festgelegt worden. In diesem gelten unter anderem Massnahmen wie Jagdverbot, intensive Fallwildsuche, Überprüfung der schweinehaltenden Betriebe sowie die Einrichtung einer Kernzone und deren Abgrenzung. Zudem wird ein Ernteverbot für Maisfelder geprüft, wie es beim Land Brandenburg heisst.

Das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) erachtet die Gefahr als gross, dass es die Afrikanische Schweinepest auch in die Schweiz schafft. Das Radar Bulletin vom August zur Tierseuchenlage stuft das Risiko als rot und damit in der obersten Stufe ein.

Branche ist vorbereitet

Die Schweizer Schweinebranche ist seit einiger Zeit daran, das Risiko einer Einschleppung und Verbreitung zu minimieren. Zuletzt wurde für die Betriebe ein Ampelsystem zur Risikoeinschätzung geschaffen (siehe «Mehr zum Thema»). «Eine Einschleppung ist mit allen Mitteln zu verhindern», ist für Adrian Schütz von Suisseporcs, dem Schweizer Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband, klar. Suisseporcs betreibe mit Hilfe von Bund und Kantonen viel Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung bei den Schweinehaltern, Mitarbeitenden und der Bevölkerung. Es brauche Verständnis von allen für die erhöhten Biosicherheitsmassnahmen in den Schweinehaltungen, sagt Schütz. Die Betriebe investieren seinen Angaben zufolge bereits vermehrt in die Biosicherheit, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein.

Der Grundsatz von Suisseporcs: Alles tun, um die Seuche zu verhindern und im Seuchenfall alles tun, um die Seuche rasch zu eliminieren. Wenn ein Seuchenausbruch sofort gemeistert werden könne, wäre der Schaden für die Branche verkraftbar, sagt Adrian Schütz. Aber für die betroffenen Bauernfamilien würde dies einen Totalausfall von ein bis zwei Jahren Verdienst aus der Schweinehaltung darstellen. Anders sähe es bei einer unkontrollierten Virusverbreitung aus. «Was das volkswirtschaftlich für Folgen hat, sieht man in Osteuropa und in Asien», sagt er.

Für die Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich. Eine entsprechende Kommunikation sei deshalb äusserst wichtig, damit es nicht zu Überreaktionen im Markt komme, erklärt Schütz. Es gehe dabei um Existenzen.