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Nullziele sind besser als Reduktionsziele

Der Münchner Senf- und Feinkosthersteller Develey ist ein Pionier in Sachen Klimaneutralität und Nachhaltigkeit. CEO Michael Durach stellte das Unternehmen an der Tagung Brennpunkt Nahrung vor.

von mos

Bereits 2008 setzte sich die Firma das Ziel, bis 2020 C02-neutral zu sein, keinen Deponiemüll mehr zu produzieren und auf Palmöl zu verzichten. «Damals war Greta noch nicht auf der Bildfläche», sagte CEO Michael Durach, der das Familienunternehmen mit 2500 Mitarbeitenden in vierter Generation führt.
Sich sportliche Ziele zu setzen, sei entscheidend, um bei der Nachhaltigkeit voranzukommen, so Durach. Graduelle Reduktionsziele zu erreichen, sei relativ einfach, da müsse man sich nicht gross anstrengen. «Null hingegen erreicht man nur mit Innovationen.» Tatsächlich hat Develay inzwischen einiges erreicht: Seit 2020 produzieren die deutschen Develey-Werke klimaneutral, alle Senfe der Marke Develay sind klimaneutral, seit diesem Jahr auch das Ketchup. Palmöl verwendet Develey schon seit 2016 keines mehr. Bis 2025 will Develey an allen 18 Standorten in elf Ländern klimaneutral produzieren, dabei setzt die Firma auf Photovoltaik, eigene Biogasanlagen und Blockheizkraftwerke.
Vor allem machen und nicht bloss ankündigen, lautet Durachs Devise. Und man müsse die Mitarbeitenden an Bord holen und für die Nachhaltigkeit sensibilisieren. Dazu hat Develey auch zu unkonventionellen Mitteln gegriffen: Am Firmenhauptsitz wurde etwa das Tempo des Lifts so gedrosselt, dass es schneller ist, die Treppe zu nehmen. Und Freitag ist fahrstuhlfreier Tag.
Dass sein Senf angesichts des veganen Trends in Zukunft weniger gefragt sein könnte, glaubt Senfkönig Durach nicht. «Die meisten dieser veganen Ersatzprodukte können Sie ohne Senf ja gar nicht essen», sagte er zum Gaudi des Publikums. Develey passt sich auch den veganen Essgewohnheiten an. Bis 2023 will die Firma auf Eier in Markenprodukten in Deutschland verzichten, soweit Ei keine namens- oder wertgebende Zutat ist.