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Der Weltmeister schafft das «Triple»

Ausgerechnet aus dem Emmental kommt der international erfolgreichste Gruyère-Käser. Michael Spycher von der Käserei Fritzenhaus ist schon zum dritten Mal Weltmeister geworden.

von hps

Michael Spycher in seinem Gruyère-Keller. (hps)
Spycher vor den Titeln im Verkaufsladen. (hps)
«Ich habe einfach Schwein gehabt.» Michael Spycher, Käsermeister in der Käserei Fritzenhaus in Sumiswald, bleibt bescheiden, wenn es um die Frage geht, warum er schon zum dritten Mal den Weltmeistertitel beim World Championship Cheese Contest in den USA geholt habe. Der 51-jährige wird dann aber schon konkreter und äussert Vermutungen, warum die internationale Jury gerade seinen Käse aus der Masse von insgesamt 3000 Käse aus 29 Ländern zum Gesamtsieger erkoren hat. «Schlussendlich hat vieles einen Einfluss – aber sicher nicht nur der Käser», so Spycher. Zum Beispiel die Lage der Käserei, die auf einer Höhe von 830 Meter liegt. «Wir haben ein relativ raues Klima», sagt Spycher. Dies äussere sich im schmackhaften Futter der Kühe, das auf den Naturwiesen der 13 Betriebe der Käsereigenossenschaft wächst. Wichtig sei aber auch die Reifung in seinem Keller. Gruyère-Käsetypen seien aber auch allgemein einfach beliebt. Doch die Käselaibe können sich stark voneinander unterscheiden. So könne man zehn Käse aus jeweils verschiedenen Gruyère-Käsereien nebeneinander legen und degustieren lassen – es gebe immer geschmackliche Unterschiede, sagt Spycher. Nicht nur bei der Jury findet sein Gruyère AOP Anklang, auch beim Publikum. Dass er dessen Nerv trifft, das hat er auch schon an seinen vielen Auftritten an Messen und Märkten herausgefunden. Dennoch: Nicht alle finden seinen Käse super. «Unser Gruyére kommt bei der normalen Käse-Taxierung eher schlecht an», gibt der Käser offen zu. Es scheint ihm aber auch ziemlich egal zu sein. Hauptsache, die Leute würden ihn toll finden.
Vom dritten Titel habe er durch ein Telefonat eines Gourmino-Vertreters erfahren, der am Finale der Weltmeisterschaften war, sagt Spycher. Aus den Socken gehauen habe ihn das nicht gerade, aber gefreut habe er sich natürlich schon. Das ganz spezielle Gefühl komme sowieso erst noch. Nämlich dann, wenn Spycher mit seinen erfolgreichen Berufskollegen am 11. April nach Chicago fliegt, von dort mit dem Auto nach Milwaukee fährt und am Ort des Triumphes an der Preisverleihung teilnimmt. «Auf dieser Reise», schwärmt Spycher, «erst da kommt die besondere Stimmung auf.» Verstärkt werde dieses Gefühl, weil an seinem letzten Gesamtsieg vor zwei Jahren die Preisübergabe nur online stattgefunden habe.
Leise Enttäuschung
Es gebe aber auch einen Wermutstropfen, hält Spycher fest. Die Schweizer Medien hätten im Gegensatz zu den amerikanischen, den Event sehr spärlich aufgenommen. Auch von der Politik ist er enttäuscht. Früher seien die siegreichen Rückkehrer aus den USA noch von Bundesräten wie Joseph Deiss empfangen worden. Das habe sich im 2008 mit Doris Leuthard geändert, womit sich auch die Presse nicht mehr sonderlich für die Käseweltmeisterschaften und die siegreichen Schweizer Käser interessiere. Vor zwei Jahren habe dann wenigstens Nationalrat Andreas Aebi im Sommer noch ein Fest organisiert. Dieses Jahr hätten der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eine Karte geschickt.
Grosse Feier am 16. April
Gefeiert wird der dritte Titel dieses Jahr zwar nicht im Bundeshaus, aber in Fritzenhaus. Am 16. April wird in einem Festzelt neben der Käserei der dritte Titel würdig zelebriert, zum Fest spielt die Musikgesellschaft auf.
Vize-Weltmeister wurde Hans Näf von der St. Galler Käserei Niederbüren mit seinem Appenzeller Mild-Würzig. Auf den dritten Rang schaffte es die Obersteirische Molkerei aus Österreich mit ihrem Erzherzog Johann, einem schmiergereiften Hartkäse mit gewaschener Rinde.