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Detailhändler bereiten sich auf Stromunterbrüche vor

Der elektronische Zahlungsverkehr im Detailhandel ist abhängig von Strom und Netzwerken. Grosse Händler und Banken bereiten Notlösungen vor.

von pd/wy

Was passiert, wenn Kunden nicht mehr zahlen können, war vor zwei Wochen bei Coop zu begutachten. Es herrschte Chaos, die Kunden waren verärgert und liessen teilweise ihre Einkäufe stehen, der Schaden für Coop ging in die Millionen.
Schuld war eine technische Störung, ein Stromunterbruch könnten den genau gleichen Effekt haben. Coop und Migros bereiten sich deshalb auf den Ernstfall vor, wie CH Media schreibt. Bei Coop kann man neu «Anschreiben lassen», das heisst, die Rechnung unter Angabe der Personalien bis zu drei Tage später bezahlen. Ferner stehe man im Austausch mit dem Bund und habe Vorschläge eingereicht, um bei Strommangel weiterhin den Versorgungsauftrag zu erfüllen.
Auch die Migros hat einen nationalen Krisenstab eingesetzt, wie es weiter heisst. Für den Fall von Stromunterbrüchen sollen sogenannten Offline-Zahlungen möglich sein. Dabei wird ein offener Betrag am Terminal gespeichert, die Datenübermittlung und Verrechnung erfolgt, sobald Strom und Netzanbindung wieder da sind.
Gemäss dem Verband Elektronischer Zahlungsverkehr (EVZ) würde die regionsweise Abschaltung des Stromnetzes, wie es bei einer Strommangellage vom Bund vorgesehen ist, dazu führen, dass Zahlungen per Karte oder per Handy ganz oder teilweise ausfallen würden. Insbesondere bei Netzabschaltungen würde der elektronische Zahlungsverkehr wohl ganz zusammenbrechen, schreibt der EVZ in einem Brief an die Mitglieder, aus dem CH Media zitiert: «Datencenter, Server und notwendige Telekommunikationsanlagen sind über verschiedene Stromversorgungsgebiete verteilt. Nicht alle sind durch Generatoren oder Akkus für ganze vier Stunden gesichert.» Unter diesen Bedingungen könne das System unmöglich stabil betrieben werden: «Auch wenn es in einigen Teilen noch betriebsfähig wäre, würde es unter der Last zusammenbrechen.»
Auch Bargeld sei nur bedingt eine Lösung, heisst es weiter, denn auch Bancomaten würden ohne Strom kein Bargeld liefern. Für die Geschäfte sei es deshalb ratsam, Kartenterminals mit Akkus und SIM-karten auszurüsten, die Kunden rechtzeitig zu informieren und den Kauf auf Rechnung zu prüfen.
Auch die Schweizerische Nationalbank stellt fest, dass eine Strommangellage möglich sei und für den Finanzplatz eine Herausforderung darstelle. Die wichtigsten Akteure würden sich koordinieren, um die Risiken «auf ein tragbares Niveau» zu reduzieren.