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Barry Callebaut produziert mehr und verdient weniger

Schokoladenhersteller Barry Callebaut wächst zwar im ersten Halbjahr 2015/2016 schneller als der Markt, verdient aber weniger als im Vorjahr. Für den CEO Antoine de Saint-Affrique ist 2016 ein Übergangsjahr.

von Reiner Schilling

Antoine de Saint Affrique mit seinem Finanzchef Victor Balli.

Barry Callebaut steigerte von September 2015 bis Februar 2016 die Verkaufsmenge um 4,5 Prozent auf 933 327 Tonnen Zum Wachstum trugen alle Regionen bei, auch die derzeit generell schwierigen Schwellenländer, wie CEO Antoine Saint-Affrique in Zürich vor den Medien erklärte. Mit den 4,5 Prozent lag Barry Callebaut zwar unter den 6,4 Prozent des ersten Quartals, aber immer noch deutlich im Plus, während der Gesamtmarkt bei der Verkaufsmenge um 2,6 Prozent schrumpfte. Der Umsatz stieg vor allem wegen höherer Kakaopreise, aber auch dank Mehrverkäufen von hochwertigeren Produkte um 5,6 Prozent auf 3,4 Milliarden Franken. Der Betriebsgewinn (EBIT) sank um 8,4 Prozent auf 201 Mio. Franken. Hauptgründe dafür waren Währungseffekte und Restrukturierungskosten beim Cocoa Leadership-Projekt sowie Investitionen im Verkaufs- und Marketingbereicht. Mit Cocoa Leadership ist unter anderem der Abbau von Kakaoverarbeitungskapazitäten in Südostasien gemeint. Konkret schloss Barry Callebaut eine Kakaofabrik in Thailand und weitere Anlagen in Malaysia. Ferner wurden im Kakaogeschäft wenig rentable Verkäufe an Drittfirmen reduziert und Lieferverträge, die zu wenig profitabel sind, lässt Barry Callebaut auslaufen. Im Gegensatz zum schwierigen Kakaogeschäft kommt Barry Callebaut mit Schokolade gut voran, vor allem mit hochwertigen Produkten wie Dekorationen, Füllungen oder auch Nussprodukten.

Schwieriges Kakaogeschäft

Ein Begriff, der bei Barry Callebaut immer wieder auftaucht, ist die «combined cocoa ratio», die in den letzten Jahren tief geblieben ist. Damit ist die Summe von Kakaobutter- und Kakaopulver-Preis im Verhältnis zum Kakaobohnen-Preis gemeint. Hohe Kakaopreise und eine schwache Nachfrage nach Pulver oder Butter reduzieren die «combined ratio», verschlechtern also die Marge.
Wegen der anhaltend hohen Kakaopreise werde das laufende Jahr noch «einige Herausforderungen bereithalten», sagte de Saint-Affrique. Wichtig sei weiterhin das smarte Wachstum, also profitables und nachhaltiges Wachstum und die Fokussierung auf freien Cash flow. Mit der Übernahme des Bereichs Automatenfüllprodukte von FrieslandCampina Kievit wurde Barry Callebaut zu einem führenden Anbieter von Pulvermischungen für Getränkeautomaten. Strategisch wichtig sind auch nachhaltige Schokolade, etwa mit der «fully segregated»-Zertifizierung von Palmölprodukten in Konditoreifüllungen. Auch Innovationen wie die hitzebeständige Schokolade Choc37,9, die karamellisierte Premium-Schokolade Caramel Doré oder Happy Chocolate mit wissenschaftlich belegtem Gesundheitsnutzen bezeichnete Saint-Affrique als strategische Meilensteine.
roland.wyss@rubmedia.ch