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Hochschulen als Leuchttürme

Manuel Fischer über die föderalistische Verzettelung am Bodensee.

von Manuel Fischer

Manuel Fischer.

Grosser Bahnhof vorletzten Montag in Dübendorf. Auf dem Gelände des renommierten Materialforschungszentrums Empa der ETH wurde das Forschungsgebäude «Nest» eingeweiht, das in den nächsten Jahren bedeutende Impulse zur Gebäudetechnik liefern wird. Zu Gast nebst zahlreichen Koryphäen aus der Wissenschaft ein Regierungsrat und Bundespräsident Johann Schneider-Ammann.
Zur fast gleichen Zeit grosse Ratlosigkeit im Kanton Thurgau. Nachdem die Stimmbürger der Stadt Frauenfeld mit der Ablehnung eines Kredits von 1,2 Millionen Franken den Agro Food Innovation Park versenkt haben, löst das zuständige Departement die zehnköpfige Projektgruppe auf. Der Kanton bewarb sich schon mit einem Standort für den Innovationspark Schweiz, scheiterte aber kläglich. Warum bringt die Ostschweiz nicht auf die Reihe, was der Kanton Zürich durchsetzen kann? Es mag an der mangelnde Vernetzung zu Politik und Verwaltung in Bundesbern liegen oder an der föderalistischen Verzettelung südlich des Bodensees.
Man verstehe mich nicht falsch: Ein Gründerpark, wo junge Leute mit spritzigen Food-Ideen auf wagemutige Financiers treffen, ist zwar eine lobenswerte Initiative und würde der Land- und Ernährungswirtschaft wichtige Impulse liefern. Das Hauptmanko ist aber ein anderes: Die Ostschweiz verfügt über keine Hochschule im Agro-Food-Bereich. Nur ein Hochschulzentrum, das in diesen Fächern wissenschaftliche Kompetenzen formt und wo eine kritische Zahl an intelligenten Menschen studiert, lehrt und forscht, hat die Ausstrahlungskraft, auch noch eine Start-up-Plattform zu integrieren. Man darf hier die Frage stellen, ob der FH-Campus Wädenswil-Grüental für alle Ewigkeit der richtige Standort ist inmitten einer zugebauten Agglomerationsgemeinde, wo es doch anderswo mehr Platz hätte. Eine hochpolitische Frage, aber so ist es auch gemeint.