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Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte

Und immer wieder sorgen Generikas für Zündstoff. Sei es bei der sogenannten «Vielfalt» der Käse oder bei Ballaststoffen wie Müesli-, Knusper- oder einfach Getreideriegel, die nach Noten kopiert werden.

von Hans Peter Schneider

Kürzlich klagte wieder einmal der eine grosse Duopolist gegen den anderen «Grossen» im Geschäft. Der eine orange Riese sah die Marke seines Getreideriegels «Farmer» verletzt. Denn die Konkurrenz aus Basel lehnte sich mit dem Namen «Country» sogar noch stärker ans Original als mit der vor Jahren lancierten Kopie «Crunchy Snack». Grund genug für die Migros, die Anwälte gegen den Widersacher loszulassen. Nichts Neues für die Zürcher, denn schon vor drei Jahren kämpfte Migros gegen den «Knusperone»-Müesli-Riegel von Aldi. Auch die Migros kann nicht für sich beanspruchen, den Getreideriegel erfunden zu haben. Denn der «Farmer» orientierte sich ursprünglich am Balisto-Riegel von Mars. Dennoch: Im jüngsten Fall konnte die Migros nun einen Sieg davontragen – und Coop muss für seine Riegel eine neue Marke suchen. Ein Restsieg bleibt für Coop. Denn zwei Produkte dürfen die Basler weiterhin im gleichen «Country»-Stil abpacken und verkaufen.
Für den Hersteller der Getreideriegel, die Haco-Tochter Narida, ist die Sache sowieso gegessen. Die Riegel aus dem schönen Schwarzenburgerland, ob «Farmer» oder «Country», stammen alle aus der Narida-Fabrik und schaden können die Rechtsstreitigkeiten dem gesunden Produkt nicht. Denn seit Jahren steigen die Absätze von Farmer & Co. im Zuge der grossen Ernährungstrends. Hauptsache die Getreideriegel bleiben im Gespräch. Die Riegel füllten während zwei Tagen die Seiten der Tagespresse. Gratis und franko. Eine ähnliche Publizität als bezahlte Werbung hätte viel Geld gekostet.
Und was passiert mit den produzierten 45 Tonnen Country Riegeln? Diese muss Coop nun anderweitig entsorgen. In «20 Minuten» gab sich Coop-Sprecher Urs Meier locker. Da werde Coop schon noch eine Lösung einfallen, liess sich Meier zitieren.